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Herbst in Peking

3. Dezember 2012

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Vor dem Anflug geht es stundenlang über schneebedeckte, eisige, zerkratzte Landschaften, völlig menschenleer, und nur ganz selten zeigt eine schnurgerade, durch den Schnee gezogene Spur, dass dieses Land bewohnt sein muss. Ganz plötzlich dann, dreißig Minuten vor der Landung, wird die Erde grün, über die spitzen Bergrücken windet sich ein fadendünner Wurm, die Große Mauer. Schon vor Jahrtausenden gab es hier ein Reich zu verlieren. Das Flugzeug sinkt. Hingeworfen wie Spielfiguren die Millionenstädte, manche keine zehn Jahre alt, mit Namen, die wir uns nicht merken werden. In der Mitte das Kraftwerk, rundherum Hochhäuser, an der Autobahn wird noch gebaut.

Am Airport fährt ein Zug ohne Fahrer ein, das eigentliche Flughafengebäude ist Kilometer entfernt. Der Weg in die Stadt dann ist praktisch unpassierbar: Peking boomt, und der Verkehr steht. Die Autofahrer nuckeln nervös an ihren teegefüllten Plastikflaschen. In den leeren Bäumen am Straßenrand die gleichen grauen Krähennester wie zu Haus vor meinem Fenster. Zwei Stunden dauert die Fahrt in die Innenstadt. Vor der Botschaft salutiert ein chinesischer Elitesoldat, jede Geste ist einstudiert, der wache Blick von rechts nach links, der gemessene Schritt zur Schranke, die Armbewegung, die uns sagt, dass wir passieren dürfen. Im Lichthof des Gebäudes wird ein Weihnachtsbaum geschmückt, die Fichte stammt aus den Ebenen der Mandschurei. Der Botschafter eröffnet zur Stunde eine Kunstausstellung in der Innenstadt. Peking hat heute so viele Künstler wie New York in den Siebzigern, wussten Sie das? Auf dem Tisch steht Kaffee und Orangensaft.

Willkommen in China, sagt der Attaché mit sanfter Stimme. Niemand wird Ihnen hier Steine in den Weg legen. Aber bitte überfordern Sie Ihre Gesprächspartner nicht.

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