Jambo Bwana Siegen is a Shithole


2014-02-16 17.27.49-1
Meine Freunde lachen immer, wenn sie hören, dass ich am Ende in Siegen gelandet bin.

Aufgewachsen ist Frau M., die studierte Önologin, bei Kapstadt, zwischen Weingütern. Der Mann Deutscher zwar, aber französisch erzogen, das Kind eines EU-Beamten, eine Jugend zwischen den Großstädten der Welt.

Ich könnte umschulen auf Bier, sagt sie, weil das zumindest gibt es hier. Krombacher ist ja schon ein Name.

Geht das, von Wein auf Bier?

Das ist schwer.

Irgendwie ist alles schwer in Siegen.

Vor allem der Verkehr: Um Großstadt zu werden, hat man mehrere Dutzend kleiner Dörfer zusammengefasst. Hat aber nicht funktioniert, zum Großstadtstatus fehlen immer noch ein paar hundert Menschen, weshalb dies genau genommen eine riesige, monströs überformte Kleinstadt ist. Die Mitte ein öder Ort, giftige Grundstücke, die Überreste der Stahlverhüttung. Drumherum die Wohnhäuser. Detroit in Westfalen.

1945 hat in Siegen nur noch jedes siebte Haus gestanden. Die Bomben der Engländer in die engen Täler hinein. Dennoch hat der Krieg die Stadt nicht zerstören können. Es war die Globalisierung, die ihr den Rest gegeben hat. Stahl wird heute in China gekocht, und die Trostgelder fließen vor allem ins Ruhrgebiet, weil da die Probleme noch größer sind.

Die Kinder können nicht mit dem Fahrrad fahren, sagt Frau M., wegen der Berge. Die Busse kommen zu selten und sind immer überfüllt. Mein armer Kleiner, mit der schweren Schultasche und der Bratsche in der Hand in den Bus. Im Vergleich zu Siegen ist Essen ein Traumland: Dort wird Musikunterricht für die Kinder bezuschusst, fast umsonst ist er, der öffentliche Verkehr verfügbar und billig. Dort gibt es zwar auch keine Arbeit. Aber man tut etwas, damit die Leute bleiben. Essen wäre ein Schritt nach vorne.

Frau M.s Mann hat sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag gehangelt, Ingenieur, internationale Projekte, bis die Verträge immer kürzer wurden, so kann man nicht leben, wir wollten eine Familie gründen. Dann das Haus mit dem schönen Wintergarten, der Wald zum Greifen nah. Wir haben nicht lange gezögert.

An den Wänden die Dinge aus Afrika, Stoffe, Masken, Musikinstrumente, Handschmeichler, Kuscheltiere, Trinkgefäße.

Wir sprechen fünf Sprachen, jeden Tag, Englisch, Deutsch, Französisch, Afrikaans und Portugiesisch. Afrikaans ist wie Holländisch. Nur älter.

Wenn ich nach Holland fahre, kann ich mich nach 30 Minuten unterhalten.

Aber Holland ist weit. Weiter noch als Essen.

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Eine Antwort to “Jambo Bwana Siegen is a Shithole”

  1. akibrasil Says:

    Hat dies auf Jede Woche ein Wort rebloggt und kommentierte:
    Siegen I

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