Ajami



Die meisten Tel Aviver kennen Ajami überhaupt nicht. Sie wissen nur ungefähr, wo es liegt, und meiden jede Gelegenheit, das Viertel auch nur zu streifen. Als ich Adi  bat, mich hinzuführen, fuhren wir zunächst 30 min mit dem Bus im Kreis herum um festzustellen, dass wir auch in 15 Minuten hätten laufen können. Ajami, der arabische Slum, liegt direkt hinterm Haus, aber Adi kennt ihn nicht. Ist Ajami gefährlich? Gute Frage. Wir stiegen auf Anweisung des Busfahrers aus und hatten noch ein paar hundert Meter zu laufen – in einer Seitenstraße musste Adi nochmal nach dem Weg fragen – Ajami? Was wollt IHR denn da? fragen die drei alten Männer in der Holzwerkstatt am Weg. Ich würde von alleine nicht hingehen, sagt Adi prompt und wahrheitsgemäß, aber dieser Ausländer hin will es unbedingt sehen, wegen des Films. Da nimmt der eine Tischler seine Brille von der Nase und sagt: Der Regisseur ist mein Sohn. Wir reden kurz und gratulieren ihm zu seinem Glück, der Vater von Scandar Copti zu sein. Gerade ist er in Oslo, erwidert Herr Copti dann, und er dreht gerade seinen nächsten Film. Diesmal nur mit Palästinensern. Haben Sie Ajami gesehen? Nein, sage ich, aber das kommt noch.


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