Ramallah


Sagen wir mal so: Wer sich Ramallah als Trümmerhaufen vorstellt, irrt sich gewaltig – die Häuser sind weiß und hoch, die Straßen breit, die Autos neu und ebenfalls breit und groß und frisch gewaschen und überhaupt scheint alles dem Besucher zuzurufen: Wir sind keine Opfer. Sieht aus wie eine Stadt in Israel, sagt Adi, als ich ihm die mitgebrachten Fotos zeige, und ein besseres Kompliment lässt sich heute schwer denken. Ich hätte gerne, dass er mitkommt, beim nächsten Mal, aber darauf entgegnet er: Sie würden mich sofort umbringen.
L., der beim Fernsehen arbeitet, sagt: Am Ende mussten wir doch wieder den Platz mit den Löwen filmen. Eine Art Kreisverkehr, die weiße Löwenstatue ist zum Symbol der Stadt geworden, an diesen Platz muss, wer sichtbar sein will in Palästina: Die Bank von Dubai, die GTZ, Coca Cola  und das Stars and Bucks, das mit seiner warmen grünen Neonlichtreklame von einer Welt erzählt, in der Grenzen nicht mehr so wichtig sind. Erst auf dem Rückweg, an der Mauer, wird wieder klar, wie es ist. Im Stars and Bucks kann man sich für einen Moment so fühlen, als wäre dies ein normaler Ort in einem normalen Land. Anders als im Starbucks wird am Tisch bedient, allerdings sind die Fensterplätze für Stammgäste und Familien reserviert. Und der Kaffee ist, nebenbei bemerkt, richtig gut.

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