Bethlehem


Wer mit dem Bus nach Bethlehem reist, muss zuerst die unsichtbare Grenze passieren, die zwischen dem jüdischen und dem arabischen Teil Jerusalems, zwischen Israel und den besetzten Gebieten verläuft. Sie ist auf israelischen Stadtplänen nicht verzeichnet und doch weiß jeder, der hier lebt, stets, auf welcher Seite er sich befindet. Von dem kleinen Busbahnhof am Damaskustor fahren Minibusse nach Ramallah ab, nach Jericho, nach Bethlehem und in die Vororte Jerusalems – zwar überqueren sie dabei mehrfach die unsichtbare Linie, und doch ist, wer einmal in ihnen sitzt, auf der anderen Seite. Jüdische Israelis fahren nicht mit arabischen Bussen. An Rahels Grab, südlich der Stadt, ist einer der Zugänge zu den nahezu komplett eingemauerten Zwillingsstädten Bethlehem und Beit Jala. Wer in die palästinensischen Autonomiegebiete einreisen darf, wird  nun durch vergitterte Gänge geschleust, Soldaten sitzen hinter schusssicheren Scheiben, Gepäckstücke werden durchleuchtet, Fingerabdrücke gescannt – dies allerdings nur auf der Rückreise. Trotz der gewalttätigen Architektur sind die Soldaten auf unerklärliche Weise heiter und freundlich. Der Taxifahrer sagt, seit acht Jahren darf er Bethlehem nicht mehr verlassen: It is a prison. Einer der Stadtführer dagegen behauptet, er darf, aber nur mit Erlaubnis der Israelis, und die wird nicht immer gewährt. Ein weiterer, dass es nun Stunden dauert, die Verwandten in Ramallah und Nablus zu besuchen, sei zu verschmerzen: But we want to see Jerusalem. Über das Meer spricht niemand. Bethlehem ist aus dem gleichen weißen Stein gebaut wie Jerusalem, und Beit Jala ist entrückend schön.

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