Archive for Dezember 2009

The Beach

31. Dezember 2009

Die beste Zeit am Strand ist die am frühen Morgen. Die lauten Bars sind noch geschlossen, weiße Plastikstühle liegen verloren und ungeordnet im Sand, die See ist ruhig und glatt und ändert die  Farbe mit der aufgehenden Sonne, erst ist sie schwarz, dann grau, dann rosa, dann tiefrot, dann lila, dann blau. Das Wasser ist kühl, aber nicht zu kalt, wer in Deutschland im Juni schwimmen kann, kann es hier das ganze Jahr. Obgleich die Gefahr besteht, dass Israelis, wenn sie im Dezember einen Badenden am Strand von Tel Aviv sehen, die Polizei rufen, weil sie einen Selbstmordversuch vermuten. In der Regel sind die Wenigen, die es tun, Deutsche oder Österreicher, manchmal nach einer lang durchtanzten Nacht in den Clubs rund um die Allenby. Sektflaschen, Lederjacken, Jeans, Bierbüchsen, der Joint zum Runterkommen: The Beach ist das, was in Berlin und anderswo die Afterhour ist. An dem Surfer-Restaurant im Süden, fast schon in Jaffa, schwimmt jeden Morgen ein Hippie mit Haaren bis zum Po in seiner Kleidung, die er danach in der Sonne trocknen lässt, bevor er schweigend weitergeht, in Richtung Innenstadt. Gleichzeitig sucht ein alter Mann mit hochgekrempelten Hosenbeinen in der Brandung nach dem, was am Tag davor verloren gegangen ist, meistens Geld und Schlüssel.

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Kleine Hunde

29. Dezember 2009

Überall sind diese kleinen Hunde. Sie tippeln dir vor den Füßen herum, springen auf die Cafétische, um sich die Reste auf den Tellern zu sichern, sie kläffen pausenlos und verbeißen sich in den Schnürsenkeln der Passanten . Es ist schwer zu sagen, wofür sie eigentlich gut sind. Ihre Besitzer und Besitzerinnen haben sie an lange Leinen gelegt, die nicht mit Halsbändern, sondern mit an Zwangsjacken erinnernde Stoffstreifen mit Knopfleisten an den zierlichen Körpern befestigt sind. Sie kümmern sich nicht im geringsten um Erziehung und Betragen der kleinen Hunde. Wenn sie weitergehen, ziehen sie sie ruckartig hinter sich her. Wenn sie stehen bleiben, um sich zu unterhalten, tun sie das, ohne auf die Tiere acht zu geben. In ganz Tel Aviv sieht man auf den Boulevards gut gekleidete Menschen mit verspiegelten Sonnenbrillen und kleinen Hunden an langen Leinen.

Florentin

28. Dezember 2009

Ist es menschlich?

Florentin ist das Neukölln Tel Avivs. In diesem Viertel, einem der ältesten der Stadt, tut niemand so, als sei dies nicht der Orient. An den Ecken stapeln sich leere Plastikflaschen in großen gelben Metallgitterkästen, abgemagerte Hunde beißen die schwarzen Mülltüten auf, die Gemüsehändler unterbieten sich so laut es geht, bei den Zuckerbäckern wird erst gegessen, dann gekauft. Schuster, Elektriker und Vulkanisateure arbeiten auf den Bürgersteigen. Gleichzeitig sind die Cafés voll mit Menschen: Tagsüber zeigt sich hier  die Telaviver digitale Bohème, über Stunden sitzt man bei schwarzem Kaffee und schreiend süßen Halvataschen an kleinen runden Kaffeehaustischen. Dürre Junkies durchstromern rauchend schnorrend die Szenerie, das Hupen der voll bepackten Lieferwagen an den Ampeln klingt verzweifelt. Es ist schick geworden, in Florentin auszugehen. Erst ab Mitternacht wird es richtig voll in den Bars, die Perla heißen, Mates oder Bugsy: Bugsy Siegel war ein jüdisch-amerikanischer Gangster, einer der Väter des modernen Las Vegas und Mitglied der so genannten kosher nostra. Trotz des Gangster-Gehabes ist Florentin sicher, genauso wie der Rest von Tel Aviv, auch spät in der Nacht. Gelegentlich muss man früh morgens taumenlnden Russen ausweichen und angeblich soll es im November eine Schießerei in der Ha’aliya Street gegeben haben, außerdem ein Feuer in einem Laden für Haushaltswaren, das niemals aufgeklärt wurde. Die Menschen im Haus mussten evakuiert werden. Kleinigkeiten also im Vergleich mit Neukölln.

Hello world!

28. Dezember 2009

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